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Turm Siedlęcin

Der im niederschlesischen Siedlęcin (Boberröhrsdorf) nahe Jelenia Góra (Hirschberg) gelegene Wohnturm ist einer der bedeutendsten und eindrucksvollsten mittelalterlichen Adelssitze in Polen. Nur wenige der verbliebenen Residenzen seiner Art sind so gut erhaltenen. Er wurde in der erste Hälfte des 14. Jahrhunderts von Heinrich I. von Schweidnitz (1294 – 1346), dem Sohn Bolkos I., erbaut, nachdem dieser im Jahr 1312 seinen Machtbereich auf das Fürstentum Jauer ausgedehnt hatte. Nahe dem Flüsschen Bóbr (Bober) erhebt er sich an einer reizvollen Stelle auf eine Höhe von 22 Meter. Als typischer, zinnenbewerter Bergfried diente er ursprünglich als Wohnraum wie auch zur Verteidigung. Dendrologische Untersuchungen förderten zu Tage, dass die für die Decken verwendeten Bäume in den Jahren 1313 und 1314 gefällt wurden. Die heutige Dachkonstruktion ist jüngeren Datums und wurde mit 1575 gefällten Stämmen erbaut.

Die Wandbemalungen aus dem 14. Jahrhundert im ehemaligen großen Saal im zweiten Stockwerk stellen eine kunsthistorische Kostbarkeit dar. Ihr wahrer Gehalt wurde erst 1990 geklärt. Heutzutage ist der Turm als weltweit einzige Stelle anerkannt, an der Szenen aus der Legende des Ritters Lancelot im historischen Kontext erhalten sind. Die Malereien orientieren sich an dem Vulgata-Zyklus und stellen in lebendigen Farben unter anderem Guinevere mit ihren Hofdamen, ihre Entführung durch Meleagant und die Rettung durch Lancelot dar. Weitere Themen sind Lancelot und sein Cousin Lionel, Lancelot schlafend unter einem Apfelbaum und Lionel schlafend während der Wacht, das Duell zwischen Lancelot und Tarquin und Lancelot mit Sir Keie. Vermutlich in Folge des Todes Herzog Heinrichs im Frühjahr 1346 blieben einige Malereien unvollendet. Diese zeigen das Duell zwischen Lancelot und Sagramour und die Heilung des Urry de Hongre. Darüber hinaus gibt es einige Bilder mit geistlichen Motiven.

Laut Expertenmeinung bestehen enge Analogien zwischen den Bilder in Sielęcin und denen im Umkreis von Zürich und Konstanz aus gleicher Zeit. Eine der Theorien besagt, dass der unbekannte Künstler im Gefolge der Ehefrau von Herzog Heinrichs Neffen, Agnes von Habsburg (1315 – 1392), in den 40er Jahren des 14. Jahrhunderts nach Świdnica (Schweidnitz) und Jawor (Jauer) gekommen ist. Agnes war die Tochter des Herzogs von Österreich, Leopold I., aus dem Hause Habsburg und Katharinas von Savoyen und hatte daher einen engen Bezug zur Schweiz.

Die Malereien wären in Folge von in den 1930er Jahren nachlässig ausgeführten Konservierungsarbeiten beinahe verloren gegangen. Trotz des schlechten Zustandes ermöglichten umfangreiche Erhaltungsmaßnahmen im Jahr 2006 glücklicherweise ihre Rettung.

Wer sich entschließt den herzoglichen Wohnturm in Sielęcin zu besuchen um dort die Wandmalereien zu bewundern, seine Geschichte zu entdecken oder an einer der verschiedenen Veranstaltungen teilzunehmen findet ihn von Mai bis Oktober täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet, bzw. von 10 bis 16 Uhr in den Monaten von November bis April.

Auf der offiziellen Website des Wohnturms finden sich weitere Informationen und Artikel: www.wiezasiedlecin.pl/

Übersetzung Peter Gehrke